Jugend macht Politik: Fachtag an der EHH stärkt Demokratie und Jugendbeteiligung
15 Projekte, 1,2 Millionen Euro Fördermittel und eine wissenschaftliche Begleitung durch die Evangelische Hochschule Hessen: Beim Fachtag „Jugend macht Politik – Partizipation ermöglichen“ am 30. Oktober 2026 kamen an der EHH in Kassel Fachkräfte aus der Jugendarbeit, Wissenschaft und Politik zusammen. Im Mittelpunkt standen die Frage, wie junge Menschen Demokratie aktiv mitgestalten können, und der Austausch über innovative Ansätze der Jugendbeteiligung.
Wie können Kinder und Jugendliche erleben, dass ihre Stimme zählt und sie gesellschaftliche Entscheidungen tatsächlich beeinflussen können? Mit dieser Frage beschäftigen sich 15 Projekte des Hessischen Jugendaktionsprogramms Partizipation, das vom Hessischen Ministerium für Arbeit, Integration, Jugend und Soziales mit bis zu 1,2 Millionen Euro gefördert wird. Seit Juli 2026 erproben freie und kommunale Träger in ganz Hessen neue Formen demokratischer Beteiligung.
Die wissenschaftliche Begleitung des Programms liegt bei der Evangelischen Hochschule Hessen (EHH). Unter der Leitung von Prof. Dr. Florian Karcher und Prof. Dr. Germo Zimmermann begleitet die Hochschule die Projekte über die gesamte Förderperiode bis Ende 2028. Ziel ist es, die Erfahrungen der Projektträger wissenschaftlich auszuwerten, Wirkungen von Jugendbeteiligung sichtbar zu machen und Erkenntnisse für die Weiterentwicklung der Kinder- und Jugendarbeit zu gewinnen.
Fachtag bringt Praxis, Wissenschaft und Politik zusammen
Der Fachtag am Studienstandort Kassel bot den beteiligten Projektträgern Gelegenheit, ihre Vorhaben vorzustellen, erste Erfahrungen auszutauschen und gemeinsame Herausforderungen zu diskutieren.
Staatssekretärin Manuela Strube unterstrich in ihrer Begrüßung die Bedeutung demokratischer Beteiligung junger Menschen: „Demokratie ist kein Selbstläufer. Sie braucht Menschen, die ihre Perspektiven einbringen.“ Sie dankte den Projektträgern für ihr Engagement und betonte die Bedeutung der Jugendbeteiligung für eine lebendige Demokratie.
Einen wissenschaftlichen Impuls setzte Prof. Dr. Jana Günther von der EHH. In ihrem Fachvortrag beschäftigte sie sich mit der Frage, wie junge Menschen am demokratischen System teilhaben wollen und welche Voraussetzungen gelingende Partizipation benötigt. Dabei machte sie deutlich, dass politisches Engagement auch mit Herausforderungen, Frustration und Belastungen verbunden sein kann. Umso wichtiger sei es, Räume für Reflexion und Selbstfürsorge zu schaffen.
Sina Müller, Promovendin an der Universität Kassel im Bereich digitaler Jugendarbeit, widmete sich anschließend der Wirkungsorientierung in Beteiligungsprojekten. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie sich Veränderungen durch Jugendbeteiligung erkennen, reflektieren und für die weitere Projektarbeit nutzen lassen.

Wissenschaftliche Begleitung durch die EHH: Wirkungen verstehen und Wissen weitergeben
Mit der wissenschaftlichen Begleitung übernimmt die Evangelische Hochschule Hessen eine zentrale Rolle im Jugendaktionsprogramm. Die Begleitung geht über eine reine Auswertung der einzelnen Projekte hinaus. Sie soll dazu beitragen, besser zu verstehen, unter welchen Bedingungen Jugendbeteiligung gelingt, welche Ansätze junge Menschen besonders gut erreichen und wie sich erfolgreiche Beteiligungsformen langfristig in Kommunen und Einrichtungen verankern lassen.
„Der Fachtag hat gezeigt, wie breit das Engagement für Demokratie und Beteiligung in Hessen ist“, betonte Prof. Dr. Germo Zimmermann. „Wir unterstützen die Projekte dabei, ihre Wirkung sichtbar zu machen und voneinander zu lernen.“ Ein wichtiger Bestandteil der wissenschaftlichen Begleitung ist deshalb auch die Vernetzung der Projektträger. In sogenannten „Learning Communities“ sollen die Beteiligten während der Förderperiode regelmäßig zusammenkommen, Erfahrungen reflektieren und gemeinsam neue Perspektiven für ihre Arbeit entwickeln.
Damit schafft die EHH einen Rahmen, in dem wissenschaftliche Erkenntnisse und praktische Erfahrungen kontinuierlich miteinander verbunden werden. Die Ergebnisse sollen nicht nur den geförderten Projekten zugutekommen, sondern auch Impulse für die Weiterentwicklung demokratischer Jugendbeteiligung über das Programm hinaus liefern.

15 Projekte zeigen die Vielfalt demokratischer Beteiligung
Wie unterschiedlich Jugendbeteiligung gestaltet werden kann, wurde beim Fachtag anhand der vorgestellten Projekte deutlich.
Im Rheingau-Taunus-Kreis bringt die AWO mit einem Partizipationsmobil Beteiligungsangebote direkt zu jungen Menschen. In Frankfurt entwickeln Jugendliche ein digitales Demokratie-Spiel, das kommunalpolitische Entscheidungsprozesse erlebbar macht. In Hanau-Kesselstadt gestalten Jugendliche die neuen Räumlichkeiten ihres Jugendzentrums mit. Auch in Kassel entstehen neue Beteiligungsmöglichkeiten: Das Projekt „Future Voices – Demokratie gestalten!“ des Sozialen Friedensdienstes verbindet digitale und analoge Formate, um Jugendlichen gesellschaftliche Mitgestaltung zu ermöglichen. Weitere Projekte setzen auf spielerische Zugänge, die Qualifizierung junger Menschen als Multiplikatorinnen und Multiplikatoren oder den langfristigen Aufbau demokratischer Beteiligungsstrukturen. Allen Vorhaben gemeinsam ist das Ziel, jungen Menschen konkrete Erfahrungen von Selbstwirksamkeit und Mitbestimmung zu ermöglichen.

Hintergrund: Hessisches Jugendaktionsprogramm Partizipation
Das Hessische Jugendaktionsprogramm Partizipation fördert vom 1. Juli 2026 bis zum 31. Dezember 2028 insgesamt 15 Projekte freier und kommunaler Träger mit bis zu 1,2 Millionen Euro. Im Mittelpunkt stehen Demokratiebildung, politische und gesellschaftliche Teilhabe sowie die Entwicklung nachhaltiger Beteiligungsstrukturen für junge Menschen.
Die wissenschaftliche Begleitung erfolgt durch die Evangelische Hochschule Hessen unter der Leitung von Prof. Dr. Florian Karcher und Prof. Dr. Germo Zimmermann.
Weitere Informationen und Vorstellung aller 15 Projekte:
www.jugendaktionsprogramm-hessen.de


