Hochschulkooperation mit der HfH Zürich unterstützt Stottertherapie
StotterChamp: Erlebnispädagogik und Stottertherapie im Zusammenspiel
(22.07.2026) Das Forschungsinstitut für Erlebnispädagogik der Evangelischen Hochschule Hessen kooperiert weiterhin mit der Interkantonalen Hochschule für Heilpädagogik Zürich im Rahmen des StotterChamps. Das Therapiecamp richtet sich an stotternde Jugendliche und verbindet sprachtherapeutische Angebote mit erlebnispädagogischen Aktivitäten. Fachlich knüpft das Konzept unter anderem an den Non-Avoidance-Ansatz der Stottertherapie an, der mit der Leitidee „Nicht vermeiden – Stottern zeigen“ verbunden ist. Im Mittelpunkt steht dabei nicht allein die Veränderung des Sprechens, sondern auch die Auseinandersetzung mit Angst, Vermeidungsverhalten, Selbstbild und sozialer Teilhabe. Jugendliche werden ermutigt, sich in einem geschützten Gruppenkontext mit ihrem Stottern zu zeigen, eigene Symptome bewusster wahrzunehmen, neue Formen des Umgangs mit Sprechblockaden zu erproben und sprechtechnische Erfahrungen zu sammeln.
Erfahrungslernen als Brücke zwischen Therapie und Alltag
Die erlebnispädagogischen Elemente des Camps eröffnen Erfahrungsräume, in denen therapeutische Themen handlungsorientiert bearbeitet und in konkrete Situationen übersetzt werden können. Kooperationsübungen, Outdoor-Aufgaben, Bogenschießen oder herausfordernde Alltagssituationen schaffen reale Kommunikationsanlässe und ermöglichen Erfahrungen von Selbstwirksamkeit, Gruppenzugehörigkeit und Mut. Besonders das Bogenschießen verdeutlicht die Verbindung von körperlicher Erfahrung und sprachtherapeutischer Reflexion: Atmung, Spannung, Loslassen, Technik, Konzentration und Zielorientierung lassen sich unmittelbar mit Erfahrungen beim Sprechen und Stottern in Beziehung setzen. So wird Erlebnispädagogik zu einem Transfermedium: Therapeutische Inhalte bleiben nicht im Übungsraum, sondern werden handelnd erprobt, körperlich erfahren, gemeinsam reflektiert und auf alltägliche Kommunikationssituationen bezogen. „Wir schätzen die Kooperation mit der EHH sehr. Für das Projekt mit dieser im deutschsprachigen Raum einzigartigen Kombination von Erlebnispädagogik und Sprachtherapie ist die Fachexpertise der EHH fundamental und ein prägender Erfolgsfaktor sowohl für das Therapieangebot für Jugendliche als auch für die Ausbildung der angehenden Logopäd:innen. Im Bereich des sprachtherapeutischen Bogenschießens konnten empirisch gestützte Vorgehensweisen dank der Kooperation entwickelt werden“, sagt Prof. Wolfgang Braun von der Interkantonalen Hochschule für Heilpädagogik Zürich.
Transfer erlebnispädagogischer Expertise in die Praxis
Für das Forschungsinstitut für Erlebnispädagogik ist die Kooperation mit dem StotterChamp ein Beispiel dafür, wie erlebnispädagogische Konzepte in spezialisierten pädagogisch-therapeutischen Handlungsfeldern wirksam eingebracht werden können. Im Mittelpunkt steht dabei der Transfer wissenschaftlich fundierter erlebnispädagogischer Ansätze in professionelle Praxis. Erlebnispädagogische Fachkräfte unterstützen vor Ort dabei, Aktivitäten so zu gestalten, dass sie mit sprachtherapeutischen Zielsetzungen verknüpft, pädagogisch verantwortet und anschließend reflektiert werden können. Zugleich entsteht ein Lernfeld, in dem Fachkräfte und Studierende erleben, wie Theorie, therapeutisches Handeln und Erfahrungslernen ineinandergreifen. „Ich freue mich sehr über die Zusammenarbeit der letzten Jahre mit der HfH Zürich und dem StotterChamp. Dieses Projekt zeigt eindrücklich, wie Erlebnispädagogik Jugendliche darin unterstützen kann, neue Erfahrungen mit sich selbst, mit anderen und mit dem eigenen Sprechen zu machen. Für die weitere Arbeit wünsche ich allen Beteiligten weiterhin viel Erfolg und den Jugendlichen stärkende, mutmachende Erfahrungen“, sagt Prof. Dr. Germo Zimmermann, Direktor des Forschungsinstituts für Erlebnispädagogik der Evangelischen Hochschule Hessen.
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