Let`s go Indonesia: Studierende und Lehrende der EHH für zwei Wochen an der Partnerhochschule in Salatiga

Ende Juni 2026 war es wieder so weit: sechs Studierende der Studiengänge Soziale Arbeit, Gemeindepädagogik und der Gesundheitsförderung sowie die drei Professorinnen, Prof. Dr. Marga Günther, Prof. Dr. Ulrike Manz und Prof. Dr. Gotlind Ulshöfer machten sich auf den Weg zur UKSW- Satya Wacana Christian University-Partnerhochschule in Salatiga auf der Insel Java in Indonesien. 

In Salatiga wurden sie herzlich von der Theologischen Fakultät empfangen, ein intensives, gemeinsam mit den indonesischen Kolleg:innen Prof. Dr. Suwarto Adi, Prof. Dr. Iky Sumarthina und dem Dekan Prof. Dr. Izak Lattku entwickeltes Programm begann. Gefördert wurde das Austauschprojekt von Erasmus+ sowie der Vereinigten Evangelischen Mission (VEM), deren Vertreterinnen, Rhoda Gregoriou und Julia Thissen, auch beim Programm mitwirkten. Dabei handelt es sich um den zweiten Jahrgang, des gemeinsam mit Prof. Dr. Marina Metz entwickelten und mittlerweile erweiterten Programms 6+6-Studierendenaustausch. In diesem Programm begegnen sich jeweils sechs Studierende aus Deutschland und Indonesien und treten in einen intensiven interkulturellen Austausch, der neben dem Besuch von sozialen Projekten und Konferenzen auch ein interkulturelles Forschungsprogramm umfasst. 

Der inhaltliche Schwerpunkt des Besuches war das Thema „Religion, Social Services, Health and Sustainability“. Die Highlights waren zahlreich:

Interkulturelle und interreligiöse Begegnungen, Konferenzen und Seminare

Indonesien erstreckt sich über mehr als 17.000 Inseln und verfügt damit über eine außerordentlich gelebte kulturelle Vielfalt. Es ist mit 87% muslimischen Bürger:innen das größte islamische Land, wobei es gerade in Salatiga, dem Ort unserer Partnerhochschule, eine aktive protestantische Bevölkerung gibt und die interreligiösen Beziehungen als gut gelten. 

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    Für das Austauschprogramm war es daher sehr spannend, mehr über die Situation der muslimisch-christlichen Verhältnisse zu erfahren – und vor Ort Besuche zu machen und von den interreligiösen Kooperationen zu hören, sei es in einem von ungewöhnlicherweise drei Frauen geleiteten muslimischen Internat, Pesantren genannt, in buddhistischen und hinduistischen Tempeln in Semarang oder in dörflichen Kirchen und Moscheen. Beeindruckend war immer wieder die Offenheit der Menschen zur gegenseitigen Kooperation sowie das soziale Engagement der besuchten Gemeinden. Etwa eine freiwillige Kindertagesstätte oder Initiativen, die interreligiöse Gemeinschaft praktizieren und Projekte anstoßen, um beispielsweise die Umstellung auf ökologischen Landbau oder alternativen Energieerzeugung zu fördern. Auch der Besuch der Fraueninitiative Srikandi in Yogyakarta machte die Bedeutung von gemeinsamen interreligiösen Aktivitäten für ein friedliches Zusammenleben vor Ort deutlich. 

    Intensiviert wurde das Programm durch eine internationale Konferenz, bei der es um die Beziehung von Nachhaltigkeit und Religionen ging – und bei der Prof. Dr. Sumanto AlQurtuby insbesondere ethische Perspektiven des Islam aufzeigte, Dr. Linda Susilowati über ihre ethnografischen Forschungen zu religiöser Selbstbestimmung von Frauen im ländlichen Raum und Prof. Dr. Gotlind Ulshöfer über christliche Religion und ihr Verhältnis zu Nachhaltigkeit referierten.

    Die Beiträge, die von Prof. Günther und Prof. Manz bei zwei großen fakultätsübergreifenden und öffentlichen Seminaren an der UKSW-Universität zum Thema Soziale Arbeit und Gesundheitsförderung geleistet wurden, führten dazu, dass sich für die EHH-UKSW-Partnerschaft eine Erweiterung hin zu den Gesundheitswissenschaften und der Sozialen Arbeit ergeben hat. Von besonderem Interesse ist dabei für die gesundheitswissenschaftliche Fakultät die lebensweltliche Gesundheitsförderung, sei es mit dem Thema „school nurses“ oder auch der Frage ethischer Aspekte bei der Migration von Pflegefachpersonen nach Deutschland.

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      Interkulturelles Forschen im Blick auf Soziale Arbeit, Diakonie und Gesundheitsförderung vor Ort und im Seminar

      Die interkulturelle Begegnung wurde durch ein ethnografisches Forschungsprojekt intensiviert. Begleitet von den Kooperationspartnerinnen des VEM Rhoda Gregoriou und Julia Thissen besuchten die zwölf Studierenden die dörfliche Region um Ngaduman und Kopeng und erhielten persönliche Einblicke in die dortigen Lebensbedingungen. Unter Anleitung von Prof. Dr. Marga Günther und Prof. Dr. Ulrike Manz führten die Studierenden in deutsch- indonesischen Tandems Interviews zu den Themen Religion, Familie und Gesundheit durch, die anschließend in Seminaren gemeinsam analysiert wurden.  Durch diese Begegnungen vor Ort, bei denen es galt, sprachliche Hürden zu überwinden und kulturelle Unterschiede zu erfahren, konnten, die bis dato nur akademischen Erfahrungen vertieft und interkulturelle Forschungskompetenz erworben werden. 

      Eintauchen in andere wissenschaftliche, religiöse und gesellschaftspolitische Welten 

      Die Begegnungen der Studierenden mit Land und Leuten war durch die Feldforschung und den regen Austausch mit den indonesischen Studierenden geprägt. Das Besuchsprogramm in der kulturell bedeutenden Stadt Solo sowie bei Weltkulturstätten wie der hinduistischen Tempelanlage Prambanan ermöglichte darüber hinausgehend spannende Begegnungen und Auseinandersetzungen mit unterschiedlichen kulturellen Traditionen. Dies zeigte sich auch bei dem Abschlussabend, an dem die Studierenden gemeinsam ihre Herkunftsorte und Lebenswelten vorstellten. 

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        Seitens der Professorinnen entwickelten sich zum Thema Nachhaltigkeit, Soziale Arbeit, Diakonie und Gesundheit weitere Forschungsprojekte, außerdem ist eine gemeinsame Publikation zum Thema Soziale Gerechtigkeit geplant. Dabei ermöglicht gerade die Kontinuität zwischen den indonesischen und deutschen Professor:innen die Entwicklung einer vertrauensvollen Zusammenarbeit, bei der dann auch gerne die Gelegenheit wahrgenommen wurde, den „outreach“ und Transfer zu den kirchlichen Partnereinrichtungen vor Ort mit einem Seminar zum Thema Diakonie, Gemeinschaft und Soziale Arbeit zu stärken.

        Seitens der Studierenden entwickelte sich während des Aufenthaltes ein intensives gegenseitiges Verständnis für die unterschiedlichen Lebenswelten. Die gemeinsamen informellen Aktivitäten jenseits des offiziellen Programms waren ein wichtiger Bestandteil der Begegnung z.B. bei gemeinsamen Spieleabenden oder Besuchen an verschiedenen Orten in der Stadt. Entsprechend schwer fiel am Ende der Abschied, der jedoch mit Aussicht auf den Gegenbesuch in einem Jahr etwas gemildert wurde.

        Besonders erfreulich für alle Beteiligten ist die Anerkennung des Programms seitens des DAAD – Deutschen Akademischen Austauschdienstes, der  eine finanzielle Förderung von drei Jahren genehmigt hat. Daher steht im Juni 2027 dem Besuch der sechs am Programm beteiligten indonesischen Studierenden und ihrer Professor:innen nichts im Wege. Dass das Programm schon jetzt auch nachhaltig wirkt, konnte am Abschlussabend erlebt werden, bei dem die Absolvent:innen des vergangenen Jahrgangs auch anwesend waren und über die Bedeutung des Programms für ihre persönlich und fachliche Entwicklung berichteten. Und so freuen wir uns auf den Besuch aus Indonesien im kommenden Jahr an der EHH!

        „Das absolute Highlight der Reise war für mich die Begegnungen mit den Studierenden vor Ort und der gemeinsame Kulturaustausch. Es war unglaublich spannend, die Kultur hautnah zu erleben, neue Perspektiven kennenzulernen und gemeinsam so viele tolle Momente zu teilen.“

        Niels, Studiengang Gesundheitsförderung 

        „Für mich war die Mischung aus formellem und informellem Rahmen besonders wertvoll. Ich habe Einblicke bekommen, die mir als Touristin verwehrt geblieben wären und in dem ganzen Prozess unglaublich tolle Freund*innenschaften geschlossen.“

        Celina, Studiengang Soziale Arbeit