Start der Evangelischen Hochschule Hessen: Bedeutender Schritt für Wissenschaft, Kirche und Gesellschaft
HESSEN STÄRKT SOZIALE UND GESELLSCHAFTLICHE VERANTWORTUNG IM HOCHSCHULBEREICH
(Darmstadt, Kassel, 01.04.2026) Mit dem offiziellen Start der Evangelischen Hochschule Hessen (EHH) am 01. April 2026 beginnt ein neues Kapitel evangelischer Hochschulbildung im Land. Die beiden etablierten Institutionen – die Evangelische Hochschule Darmstadt und die CVJM-Hochschule – bündeln künftig ihre Kompetenzen, Profile und Standorte unter einem gemeinsamen Dach. Damit wird die neue Hochschule zu einem gewichtigen sozialen Player für ganz Hessen.
Die EHH mit ihren 1650 Studierenden, 14 akkreditierten Studiengängen und etlichen Weiterqualifizierungsangeboten sowie knapp 150 Mitarbeitenden ist das Ergebnis eines intensiven, mehrjährigen Entwicklungsprozesses, der von kirchlichen, politischen und hochschulinternen Akteur*innen gemeinsam gestaltet wurde. Ziel ist eine starke, zukunftsfähige Hochschule, die akademische Exzellenz mit gesellschaftlicher Verantwortung, diakonischer Praxis und werteorientierter Bildung verbindet.
Klare Beschlüsse – gemeinsamer Wille
Einen ersten Meilenstein markierten die Synodenbeschlüsse im Mai 2025: Sowohl die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) als auch die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW) stimmten mit großer Mehrheit für den Zusammenschluss der beiden Hochschulen und bekräftigten damit ihren Willen, kirchliche Hochschulbildung strategisch weiterzuentwickeln und nachhaltig zu sichern. Ebenso entschied auch die Mitgliederversammlung des CVJM Deutschland (Christlicher Verein Junger Menschen), in die Trägerschaft der Hochschule einzusteigen.
Der hessische Minister für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur, Timon Gremmels, erklärte auf der gemeinsamen Pressekonferenz am 17.Dezember 2025, dass der Weg für die Evangelische Hochschule Hessen durch einen Staats-Kirchen-Vertrag des Landes mit den beiden Kirchen geebnet sei. Der Wissenschaftsminister Timon Gremmels unterstreicht die hochschulpolitische Bedeutung der Neugründung: „Der Zusammenschluss stärkt die Ausbildung junger Menschen in der Sozialen Arbeit, der Gesundheit sowie in Erziehung und Bildung – Bereiche, in denen wir dringend Fachkräfte benötigen. Den beteiligten Hochschulen gibt die Fusion finanzielle Sicherheit, schöpft das Potenzial in Lehre und Forschung aus und ermöglicht mehr Autonomie. Der Ausbau des Standortes in Schwalmstadt-Treysa ist zudem ein wichtiger Impuls für die Bildungslandschaft in Nordhessen und den ländlichen Raum. Ich freue mich über den offiziellen Start der Evangelischen Hochschule Hessen und heiße sie in unserer hessischen Hochschullandschaft herzlich willkommen.“
Breite Zustimmung des Landtags
Anfang Februar 2026 beschloss der Hessische Landtag mit großer Mehrheit die gesetzliche Grundlage für die EHH. Bereits Ende 2023 waren die Evangelische Hochschule Darmstadt sowie die CVJM-Hochschule explizit im Koalitionsvertrag erwähnt worden. Die Entscheidung des Landtags unterstreicht damit die gesellschaftliche Relevanz einer Hochschule, die Fach- und Führungskräfte für Berufsfelder der Sozialen Arbeit, der Gesundheitsförderung und Pflege, der Erziehung und Bildung sowie der Gemeinde- und Religionspädagogik qualifiziert. Bereiche, die angesichts gesellschaftlicher Transformationsprozesse zunehmend an Bedeutung gewinnen.
Soziale Verantwortung und christliches Profil
Die beiden evangelischen Landeskirchen sehen in der EHH ein starkes Zeichen gemeinsamer Verantwortung für Bildung und Gesellschaft. So betont Ulrike Scherf, die Stellvertretende Kirchenpräsidentin der EKHN: „Mit der EHH bringen wir als Kirchen – gemeinsam mit dem CVJM – weiterhin unsere Werte aktiv in den Bildungsbereich ein und stärken dadurch die Trägervielfalt. Wir fördern aus unserer spezifischen Perspektive – ethisch orientiert, geistlich geprägt und religionssensibel – Haltungen, die zu einem gelingenden, solidarischen und demokratischen Zusammenleben beitragen.“ Über viele Jahre hinweg waren die beiden hessischen Landeskirchen in Gesprächen für eine nachhaltige evangelische Bildungsperspektive im Bundesland.
Bischöfin der EKKW, Dr. Beate Hofmann, zeigt sich deshalb auch sehr zufrieden und hoffnungsvoll: „Ich freue mich, dass nach sechs Jahren mit intensiven Gesprächen die Idee einer evangelischen Hochschule Hessen Gestalt annimmt. Hier ist ein Kooperationsprojekt gelungen, das Kirchen, Jugendverband und Staat gemeinsam wollen und das qualifizierte Ausbildung, Forschung und Wissenstransfer in sozialen und pädagogischen Arbeitsfeldern sichert. Die Hochschule wird sowohl in Südhessen wie in Nordhessen Strahlkraft entfalten als sichtbarer evangelischer Beitrag zu Bildung, Gesundheit und sozialer Arbeit.“
Auch der CVJM Deutschland, bisher alleiniger Träger der CVJM-Hochschule, begrüßt die Neustrukturierung als wichtigen Impuls für eine stabile, zukunftssichere und werteorientierte Hochschulbildung. So betont Hansjörg Kopp, Generalsekretär des CVJM: „Wir freuen uns, nach wie vor an der Seite der Studierenden und Mitarbeitenden am Standort Kassel und später Treysa zu sein. Die Bildungsarbeit des CVJM mit ihrem innovativen, missionarischen, interkulturellen Herzschlag und dem Konzept des gemeinsamen Lebens und Lernens geht an der Evangelischen Hochschule weiter. Aus Überzeugung bleiben wir in Trägerschaft und Finanzierung Partner und bringen weiterhin viel CVJM in die EHH ein.“
Eine starke Verbindung
Mit der EHH entsteht eine leistungsfähige evangelische Hochschule mit landesweiter Strahlkraft, die innovative Studienangebote, interdisziplinäre Forschung, eine enge Verzahnung von Theorie und Praxis sowie eine intensive Begleitung von Studierenden vereint. Ende 2027 wird die Arbeit der Evangelischen Hochschule Hessen auf die beiden Standorte Darmstadt und Schwalmstadt-Treysa konzentriert, der Standort Kassel wird aufgegeben. Damit ermöglicht die EHH ein Studium im ländlichen und städtischen Raum.
Zur Bedeutsamkeit der Hochschule erklärt deren Präsident Uwe Becker: „Hessen braucht dringend Fachkräfte im Bereich des Sozialsektors und wir tragen dazu bei, dass diesem Bedarf sowohl in Kommunen, Verbänden, in den urbanen wie ländlichen Regionen, aber auch im Raum der Kirche entsprochen wird. Wir bewirken mit unseren Absolvent*innen in den Sozialberufen, dass der soziale Zusammenhalt gestärkt sowie struktureller Armut begegnet wird und dass den Tendenzen zur Exklusion, sei es durch Wohnungsnot, Mietpreisentwicklung oder Arbeitslosigkeit entgegengewirkt wird. Das Soziale ist so wichtig, weil es auch immer mehr zum Gewährleistungsfaktor einer funktionsfähigen Demokratie wird.“
Prof. Tobias Faix, DTh (UNISA), ehemaliger Rektor der CVJM-Hochschule, ergänzt: „Mit der Evangelischen Hochschule Hessen entsteht eine zukunftsfähige Hochschule, die die Stärken zweier profilierter Einrichtungen bündelt und ein vielfältiges Angebot aus relevanten Studiengängen, forschungsstarken Instituten und innovativer Weiterbildung in den Bereichen Soziale Arbeit, Gesundheit, Jugendarbeit, Bildung sowie Gemeinde- und Religionspädagogik vereint. Zugleich bietet sie Studierenden eine intensive Begleitung in ihrer persönlichen Entwicklung – eine entscheidende Grundlage für verantwortungsvolles Handeln in einer sich wandelnden Kirche, Gesellschaft und Arbeitswelt."